Zur Geschichte der Familie von der Hagen und ihre Burg in Langwedel-Hagen

Auszug aus einer Arbeit von Dr. Wolfgang Ernst

Für viele Langwedeler ist die Burg in Hagen-Grinden unbekannt oder in Vergessenheit geraten und ganz viel ist nach Jahrhunderten von ihr auch nicht übrig geblieben: ein etwa rechteckiger, erhöhter Innenraum mit den Ausmaßen von 25mx15m, der sich etwa 1,5m über das Umgebungsniveau erhebt. In südwestlicher Richtung wird dieser Innenraum durch zwei aufeinander folgende, etwa halbkreisförmige Burggräben und Wälle abgeschlossen. Die Burggräben und Wälle dürften ursprünglich geschlossene Ringe gebildet haben. Durch wechselnde Wasserstände der Alten Aller könnte der jetzt offene Bereich schon in früherer Zeit weggeschwemmt und danach durch landwirtschaftliche Bearbeitung eingeebnet worden sein.

Aus den noch übrig gebliebenen Befunden schließt die frühere Kreisarchäologin Nowatzyk, dass die Hagener Burg als ehemalige "Turmhügelburg" anzusehen ist. Das Hauptmerkmal einer Turmhügelburg (auch "Motte" genannt) ist ein künstlich angelegter Erdhügel mit einem meist turmförmigen Gebäude darauf. Den Burgtyp der Motte gibt es in verschiedenen Ausprägungen. Eine Art gliedert sich in zwei Bereiche: die auf einem künstlichen Erdhügel errichtete Kernburg und eine umlaufende Vorburg. Beide Bereiche sind jeweils durch eigene Gräben und Wälle geschützt. Palisaden oder Weidenzäune konnten als zusätzlicher Schutz gegen Angriffe errichtet werden. Eine weitere Spielart einer Motte ist die räumliche Trennung von Kern- und Vorburg in zwei nah nebeneinanderliegende Bereiche. Ohne auf sicherer archäologischer Grundlage zu stehen, könnte die Hagener Burg ausgesehen haben, wie in Zeichnung gezeigt.

Erbaut wurde die Hagener Burg um die des Mitte des 12. Jahrhunderts von Gerung I. von der Hagen als befestigter Wohnsitz, vermutlich auf einem vom Erzbistum Bremen zu Lehen gegebenen Land. Einem allgemeinen Brauch folgend wurde dieser Wohnort namensgebend für das gesamte Ministerialengeschlecht der von der Hagen. Mit einiger Sicherheit blieb die Burg noch Wohnsitz der Familie bis 1315. Aber es ist durchaus möglich, dass sie auch noch im Zeitraum 1345 bis 1365 von Familienmitgliedern bewohnt wurde. Danach verliert sich ihre Spur im Oldenburgischen und um 1500 ist die Familie ausgestorben.

Außer als befestigter Wohnsitz könnte für die Rolle der Hagener Burg ein weiterer archäologische Fund von Bedeutung sein: Unweit der Burg wurden im ehemaligen Flussbett der Alten Aller eine größere Anzahl Eichenpfähle aufgefunden. Auf Grund ihrer Anordnung wurde ein Teil der Pfahlkonstruktion als Reste einer Anlegestelle für Flussschiffe und ein zweiter Teil als Flusssperre (Nattermann) oder Brücke (Schünemann) gedeutet. Anlegestellen und Flusssperren/Brücken konnten vermutlich nicht ohne Schutz- und Kontrollfunktion verbleiben. Aus dieser Sicht erscheint es natürlich, der Hagener Burg diese Rolle zuzuordnen.

Die Familie von der Hagen spielte über Generationen hinweg eine für das Erzbistum Bremen beachtliche Rolle. Das wird mit Herkunft der Vorgängergeneration von Gerung I. zusammenhängen. Sie entstammt vermutlich aus dem Stand der Reichsministerialtät, und sie stellten unter anderem Vögte von Bremen. Erkennbar wird die Bedeutung der Familie aber auch aus den Auftritten als Zeugen bei für Bremen durchaus bedeutender Rechtakte. Die Zugehörigkeit zum "Establishment" hielt manche Familienmitglieder jedoch nicht davon ab, Bremen (1305) zu befehden, unter anderem zusammen mit den Clüvern, mit denen sie versippt waren. Nach verfügbaren Quellen haben derartige Zwistigkeiten anscheinend nur begrenzten Schaden an den von der Hagen angerichtet.

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Reste der ehemaligen Burg in Hagen. Foto: W. Ernst






So könnte die Burg Hagen ausgesehen haben. Zeichnung: W. Ernst















Erzbischöfliche Urkunde von 1159 zu Weiderechten an der Bremer Bürgerweide mit Gerung I. von der Hagen als Zeugen

Aus: Geschichte des Landes zwischen Elbe und Weser, Band II, Herausgeber: Hans-Eckard Dannenberg, Heinz Joachim Schulze, Stade 1955

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