29.Dez.2024: Liederjan: Folk, Kabarett und Dummtüch

Liederjan bringt in Bewegung – und lädt zum 50-jährigen Bandjubiläum ein

Da kommt Bewegung ins Publikum – wie von Liederjan verlangt, die sonst nicht aufhören wollten, zu spielen. Hustedt (2)

Bericht vom Dienstag, 31. Dezember 2024, Verdener Aller-Zeitung / Langwedel

Langwedel – Zum Jahresabschlusskonzert begrüßte Hans-Hermann Prüser für den Langwedeler Kulturverein mehr als 120 Musikfans im Bürgersaal des Rathauses. „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht“, so Prüser. Die gute Nachricht: Zwei Brücken im Landkreis wurden fertiggestellt. Die schlechte Nachricht: der Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt. Nach einem kurzen Innehalten kündigte Prüser Liederjan an, die mit Lockerheit und gehobenem Witz diesen Abend gestalten sollten und sich dabei auch selbst auf die Schippe nahmen.

Hanne Balzer, Jürgen Ermisch und Philip Omlor kamen mit dem Abschlusslied „Also dann, machts gut, bis bald“ in den Bürgersaal hereinmarschiert. Aber das Trio blieb dann doch, und das für fast drei Stunden. In dieser Zeit boten die Musikerin und die beiden Musiker allerhand: etwas Folk, Kabarett, Comedy und Dummtüch. Sie besangen die Germanen und die Römer und fanden, dass die Götter Humor hatten. Hanne Balzer war ganz angetan von ihren männlichen Kollegen. „Die brauchen nur mit den Händen zu schütteln und schon haben sie einen neuen Text. Bei mir bleibt das Blatt weiß.“

Die Gruppe gibt es tatsächlich bereits seit 1970, zunächst als Tramps & Hawkers, die 1975 Liederjan wurden. Im Oktober 2015 wurde in Hamburg das 40-jährige Bühnenjubiläum gefeiert, im Oktober 2025 soll das 50-jährige Jubiläum folgen, auch wieder in Hamburg. Dazu lud die Gruppe schon mal das Publikum aus Langwedel ein.

Jörg Ermisch ist das einzige Gründungsmitglied. Er war als Alleskönner mit seiner Gitarre, der Flöte und der Harmonika und war mit seiner tiefen Stimme gut zu hören. Mit ihrer großen Tuba und dem Akkordeon begeisterte Hanne Balzer. „Die schweren Instrumente habe immer ich“, klagte sie. Philip Omlor begeisterte mit mehreren Instrumenten und seiner Stimme. Er ist seit 2015 dabei und verriet, dass er aus dem Norden Lüdenscheids stammt, wo man sagt: „Wo kommst du wech?“

Zwischendurch nahm sich das Trio drei große Politiker vor, alles Verkehrsminister: Alexander Dobrindt, Andreas Scheuer und Volker Wissing. Sie besangen die vielen Staus auf den Autobahnen und die Enge in den Baustellen. Da wird schon mal ein Spiegel abgerissen. „Wir haben immer Ersatzspiegel dabei“, erklärte Philip Omlor. Die Spiegel würde man dann während der Fahrt auswechseln. Dann besangen sie den Selbstbetrug, „den einzigen Betrug, der nicht strafbar ist.“

Der Song „Irgendwann geht die Welt unter, irgendwann ist alles vorbei“ ging unter die Haut. Die tollen Stimmen des Trios waren ebenso beeindruckend wie das Beherrschen so vieler Instrumente. „Die Tuba ist das tiefste aller Blechblasinstrumente und wurde in diesem Jahr zum Instrument des Jahres gekürt“, erzählte Hanne Balzer und nahm sich ihr großes Instrument wieder vor die Brust. Zum Schluss gab es noch ein Mitmachstück. „Wir spielen so lange, bis ihr alle mitmacht“, drohte Hanne Balzer – mit Erfolg. Also bewegten alle Besucher wie verlangt Arme, Beine und den Kopf. Natürlich gab es Zugaben – und das Fazit: „Wer die Drei live erlebt hat, geht mit dem positiven Gefühl nach Hause, einen schönen Abend unter Freunden genossen zu haben.“  whu