Klaus Störtebeker auf Abwegen – zwischen Legende, Geschichte und Rockmusik

Autor Rolf Göbbert faszinierte mit einer Mischung aus Vortrag und Konzert im Langwedeler Häuslingshaus.
Klaus Störtebeker war in Langwedel!? Ob das stimmt, bleibt fraglich – schließlich entstand die Legende vom bekannten Norddeutschen Seeräuber erst viele Jahre nach Störtebekers Tod.

Der Langwedeler Kulturverein hatte zu einer Lesung mit Rolf Göbbert eingeladen, der sein Buch „Störtebeker verliert Liebe und Leben. Eine Romanlegende“ vorstellte. Im bis auf den letzten Platz gefüllten Häuslingshaus nahm der Autor sein Publikum mit in die Welt der Vitalienbrüder und erläuterte, wie er historische Fakten mit Legenden und regionaler Geschichte verbindet. Dabei spielen auch die Mandelsloher Fehde, der damalige Burgvogt Statius von Mandelsloh und die Ereignisse rund um das Jahr 1400 eine wichtige Rolle. Im Jahr 1576 berichteten der Verdener Bischof Eberhard von Holle und Heinrich Rantzau, Statthalter des dänischen Königs in dessen schleswig-holsteinischen Gebieten, dem Verdener Domdekan Andreas von Mandelsloh von zwölf Totenschädeln, die am Bach Halse gefunden worden sein sollen. Zwei davon, so die Vermutung, könnten die Schädel der berüchtigten Seeräuber Klaus Störtebeker und Goedeke Michels gewesen sein. Beide sollen nach Angaben des Bischofs am 13. Mai 1400 in Emden hingerichtet worden sein.

Ob sich das tatsächlich so zugetragen hat, bleibt fraglich. Denn die Geschichte entstand ebenso wie das berühmte Störtebeker-Lied erst mehr als 150 Jahre nach dem Tod des Freibeuters. Sie ist damit ein weiteres Puzzleteil in der faszinierenden Legendenbildung um den Anführer der Vitalienbrüder.

Genau dieses Spannungsfeld zwischen belegbarer Geschichte und fantasievoller Überlieferung machte den Abend so reizvoll. Doch der Abend blieb nicht bei der Geschichte: Für eine musikalische Wiederauferstehung des Freibeuters sorgten Göbberts Bruder Ingo van Lessen und dessen Sohn Flinn am Schlagzeug. Mit dem Störtebeker-Lied der Punkband „Slime“ und rockigen Klassikern aus der Augsburger Puppenkiste brachten sie ordentlich Schwung ins Häuslingshaus.

So entwickelte sich eine unterhaltsame Mischung aus Geschichte und Rockmusik, die das Publikum faszinierte.

Silke Fronzek, die erste Vorsitzende des Langwedeler Kulturvereins, bedankte sich für den sehr interessanten und kurzweiligen Abend.

Ob Störtebeker tatsächlich in Langwedel war, bleibt eine Legende. Dass er an diesem Abend musikalisch für Furore sorgte, steht dagegen außer Frage.